Ernährung eines Säuglings – Muttermilch Teil 2

Stillen und Flasche / künstliche Sauger:

Mindestens bis die Stillbeziehung gefestigt ist, empfiehlt sich, völlig auf künstliche Sauger oder Schnuller zu verzichten. Künstliche Sauger und Schnuller können zur Saugverwirrung beim Baby führen und damit die Stillbeziehung deutlich beeinträchtigen. Daher ist auch die „Flasche zwischendurch“ nicht zu empfehlen.

Warum ist das so?

Aus dem Flaschensauger ist es für das Baby deutlich leichter an Milch zu kommen. Oftmals tropft die Milch schon aus dem Sauger heraus, selbst wenn man die kleinste Öffnungsgröße gekauft hat. An der Brust müssen die Babys aktiv saugen. Haben sich die Kinder erst mal an die Flasche gewöhnt, saugen sie nicht mehr an der Brust, sondern nuckeln nur noch. Dadurch geht die Milch zurück, weil die richtige Nachfrage – die durch das Saugen ausgelöst wird – nicht mehr da ist. Ist das Baby dann aber nicht satt, weil es ja nicht gesaugt hat, füttert man mit der Flasche zu. Der Teufelskreis beginnt.

Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, sollte ein Zufüttern am Anfang erforderlich sein, dies stillfreundliche zu tun. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Über das Füttern mit einer Spritze, über Löffel und Becher bis hin zum Brusternährungsset (das ist quasi die „High End“ Ausstattung)

Was den Schnuller betrifft, sind die Kinder tatsächlich sehr unterschiedlich. Manche haben, nach gefestigter Stillbeziehung – kein Problem damit, andere hingegen bekommen wirklich eine Saugverwirrung. Hier sollte man individuell für sich entscheiden, gegebenenfalls mit einer entsprechend qualifizierten Hebamme oder Stillberaterin, was für einen selbst richtig ist.

Stillen – mehr als nur Nahrung:

Wie ich ja schon geschrieben habe, es ist nicht untypisch, dass die Babys alle 2 Stunden – manchmal sogar noch öfter – gestillt werden möchten. Unter Umständen, trinken sie dann nur kurz und schlafen dann ein, oder trinken kurz und nuckeln dann. Woran liegt das?

Stillen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme für das Baby. Oftmals, vielleicht wenn der Tag etwas stressig war und sehr viel Ungewöhnliches und Neues passiert ist, braucht ein Baby mehr Nähe zu seiner Mutter. Es möchte Stillen. Es möchte die Sicherheit und Geborgenheit wissen und braucht einfach Mamas Brust.

Auch in Entwicklungssprüngen ist ganz besonders zu beobachten, dass die Kinder unruhiger sind und häufiger gestillt werden möchten. In diesen Phasen passiert für die Babys so viel Neues, sie lernen neue Zusammenhänge, sehen die Welt nun mit anderen Augen. Das ist einfach enorm viel und anstrengend für so ein kleines Menschlein. Und daher ist es völlig normal, dass es einfach – u.a. zur Beruhigung – die Zeit mit Mama und das Stillen braucht und einfordert.

Das ist wichtig zu wissen, da ganz oft die erste Vermutung (besonders von der Oma-Generation) dann ist: Oh Weh, die Milch reicht nicht mehr. Das ist Quatsch!!! Und das sage ich bewusst so deutlich! Wenn das Kind gedeiht und – siehe oben – genug nasse Windeln hat, reicht die Milch. Das Baby braucht nur Nähe 🙂

Still-Mythen:

In diesem Zusammenhang möchte ich abschließend noch ein paar Stillmythen aufgreifen, die sich leider sehr hartnäckig noch in der Gesellschaft halten:

Das Baby braucht Wasser und Tee. – NEIN! Vollgestillte Babys (und auch Babys, die PRE-Nahrung erhalten) brauchen keine zusätzliche Flüssigkeit. Auch nicht im Sommer. Im Sommer gilt einfach: Öfter anlegen. Muttermilch besteht zum Großteil aus Wasser, daher ist eine zusätzliche Gabe von Wasser oder auch Tee nicht erforderlich und kann sogar im schlimmsten Fall – Stichwort: Wasservergiftung – schädlich sein! Allgemein benötigt ein Kind erst ab der 3. „ersetzten“ Nahrung zusätzlich Flüssigkeit (darauf werde ich aber gesondert bei dem Thema Beikost nochmal eingehen)

In meinem Essen waren Zwiebeln. Jetzt hat mein Baby Bauchweh. – NEIN! Muttermilch wird aus Blut gebildet. Luft, welche ja Blähungen verursacht – geht nicht ins Blut über (das wäre ja fatal) und kann daher auch nicht der Auslöser sein. Wahr ist, dass manche Eiweiße in die Muttermilch übergehen (z.B. Milcheiweiß, Hühnereiweiß, Sojaeiweiß,…), was zu Bauchweh und sogar Allergien beim Säugling führen kann – aber auch hierauf werde ich noch genau eingehen.

Mein Baby trinkt öfter, meine Milch reicht nicht mehr. – Siehe oben 😉 Nimmt das Baby gut zu und stimmt die Anzahlt der nassen Windeln, legt es nicht an der Milchmenge. Ist es vielleicht einfach ein Entwicklungsschub und daher allgemein eine unruhigere Phase, sucht das Baby einfach nur mehr Nähe und Geborgenheit.

Flaschenkinder schlafen schneller durch. – Nein. Durchschlafen hat absolut nichts damit zu tun, ob das Kind gestillt wird, oder Flasche bekommt. „Durchschlafen“ hat etwas mit der Hirnreife zu tun. Tatsächlich sind alle Babys nachts öfter wach. Das ist auch wichtig und evolutionär begründet. Die Frage ist, findet das Baby wieder selbst in den Schlaf, oder nicht. Und das ist absolut unabhängig davon, wie es „ernährt“ wird.

Nach dem 4. Monat reichen die Nährstoffe aus der Muttermilch nicht mehr. – NEIN. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 6 Monate voll zu stillen und danach Beikost unter dem Schutz der Muttermilch, d.h. während die Mutter weiter stillt, einzuführen. Ein „Säugling“ sollte im 1. Lebensjahr als Hauptnahrung Milch erhalten und keine Mahlzeit vollständig ersetzt bekommen. Aber auch hier werde ich beim Thema Beikost noch genauer darauf eingehen.

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